Arbeitsweise

Es hatte sich in meinen Klassen bewährt, wenn sich die Kinder immer zum Beginn der freien Arbeitsstunde mit ihrer Kontrollkarte zu einem Planungstreffen versammelten. Damit sich die Kinder wirklich auf die folgende Planungsphase konzentrierten, führten wir diese Unterrichtssequenz immer im Sitzkreis oder an einem anderen, besonderen Platz durch.
  • Als das Freiarbeitsangebot in den ersten Jahren bei mir noch nicht so umfangreich war, hing die Kontrollkarte zusätzlich als großes Plakat im Klassenraum, nahe bei dem Arbeitsmaterial aus. Dafür hatte ich die Karte mit den Arbeitsvorschlägen auf einem Kopierer auf das Format A3 vergrößert.
  • Zeitweise hatte ich auch jede Aufgabe auf eine Karteikarte (A5) gezeichnet und zu einem variablen Plan zusammengestellt. Das ist immer dann vorteilhaft, wenn sich das Arbeitsangebot während des Jahres vergrößert.
Zu Beginn des Planungstreffens musste jedes Kind sich eine Wahlaufgabe auswählen oder sich an seinen Arbeitsstand erinnern, ohne mit anderen Kindern Kontakt aufzunehmen. Das ist meiner Ansicht nach wichtig, damit das Kind für sich selber ohne Fremdeinflüsse entscheiden kann, womit es gern arbeiten möchte.
Anschließend erhielten die Kinder die Gelegenheit, Arbeitsabsprachen mit geeigneten oder gewünschten Partnern zu treffen.
Zuletzt gab jedes Kind reihum sein Arbeitsvorhaben für diese Stunde bekannt. Dabei nannte es die Partner oder erbat sich Hilfe. Bei Kindern, die in ihrer Auswahl Schwierigkeiten hatten, halfen die Mitschüler oder ich.
auswählen 

Auswahl der Aufgaben

Das Auswählen und öffentliche Benennen der gewählten Aufgabe war eine Form der Selbstverpflichtung und sollte z.B. auch entscheidungsschwache Kinder veranlassen, sich für eine Arbeit zu entscheiden. Das Benennen der geplanten Arbeitsvorhaben machte es den Kindern schwerer, sich während der freien Arbeitszeit ziellos treiben zu lassen.
Außerdem waren die Mitteilungen der Kinder für mich wichtig, denn dadurch konnte ich mein Unterrichtshandeln für den folgenden Unterrichtsabschnitt den Bedürfnissen der Kinder anpassen. Abschließend teilte ich den Kindern die zur Verfügung stehenden Arbeitszeit mit und entließ sie in die freie Arbeit.
War die Entscheidung für eine Aufgabe beim Kind gefallen, dann sollte die Aufgabe von ihm bis zum Ende bearbeitet werden. Das galt auch dann, wenn während der Bearbeitung Schwierigkeiten auftreten sollten. Ein Abbruch einer Aufgabe war nur nach Rücksprache mit mir möglich.
Ein Kind, das eine Aufgabe beendet hatte und eine neue beginnen wollte, gab die Arbeitsergebnisse der vorherigen Aufgabenserie zur Beurteilung ab und teilte mir seine neue Wahl mit. Vorher sollte es die Arbeitsergebnisse der Klassengemeinschaft in geeigneter Form vorgetragen haben. Das konnte in besonders dafür reservierten und angemeldeten Stunden oder in der abschließenden "Vorstellungsrunde" geschehen.
arbeiten 

Handlungsphase

Die Kinder bearbeiteten nun an ihren Plätzen, an Gruppenarbeitsplätzen, auf dem Fußboden, auf dem Flur, in Nebenräumen oder im Computerraum ihre ausgewählte Wahlaufgabe. Dabei konnten sie allein, mit Partner(n) oder mit mir zusammenarbeiten.
In dieser Phase stand ich den Kindern zur Verfügung, um ihnen z.B. einen Lösungsweg zu erklären, um fertiggestellte Arbeiten sofort nachzusehen oder um mir in meinem Übersichtsheft Arbeitsstände zu notieren. Sollten Kinder ihrer eigenen Zielangabe entsprechend nicht arbeiten, wurden sie von mir an ihre Aufgaben erinnert.
Kurz vor dem Ende der Handlungsphase regte ich manchmal bei einigen Kinder gezielt an, ihre Arbeiten zum Schluss der Klasse vorzustellen. Dadurch konnte ich schon schon vorweg berücksichtigen, ob Gruppen zusammen etwas vorstellen, ob verschiedene Arbeiten gezeigt oder vorgelesen werden und ich konnte darauf achten, dass nicht immer dasselbe Kind seine Arbeiten zeigte.
Mit einem akustischen Zeichen (Triangel) beendeten wir die Arbeit an den gewählten Aufgaben. Dieses Signal war gleichzeitig die Aufforderung, sich mit den Arbeitsergebnissen in der Vorstellungsrunde zu versammeln. Einige Kinder werden ihre Arbeitsergebnisse oder Zwischenergebnisse der Klassengemeinschaft vorstellen.
veröffentlichen 

Veröffentlichungsphase

Die Arbeit an Wahlaufgaben hat zur Folge, dass nicht alle Inhalte und Verfahren von allen Kindern der Klasse in gleicher Weise intensiv bearbeitet werden. Die Veröffentlichungsphase im Anschluss an die Wochenplanarbeit ist eine von mehreren Gelegenheiten, die Arbeitsergebnisse der Mitschüler kennenzulernen. Hier erhalten sie auch Tipps, was bei der Bearbeitung beachtet werden sollte.
Diese Phase stellt an alle Kinder hohe Anforderungen, wenn z.B. vollkommen neue Inhalte vorgestellt werden:

  • Die Kinder, die ihre Aufgabe vorstellen, müssen ihre Arbeit anschaulich beschreiben können, damit die anderen Kinder verstehen, wie und mit welchem Ergebnis gearbeitet wurde. Die Kinder merken schnell, dass das leichter geht, wenn sie sich nicht nur auf die mündliche Beschreibung der Vorgänge verlassen. Das fertige Produkt oder kleine praktische Vorführungen werden deshalb gern bei der Demonstration der Ergebnisse herangezogen.
  • Die zuhörenden und zusehenden Kinder müssen den Darbietungen aufmerksam folgen und die Inhalte in Beziehung zum eigenen Wissen und Arbeiten setzen. Durch gezielte Nachfragen können und sollen sie unklar gebliebene Zusammenhänge für sich klären.
Da alle Kinder während eines Schuljahres mehrfach ihre Arbeitsergebnisse vorstellen müssen, arbeiten die Kinder hierbei sehr konzentriert und störungsfrei. Für die Kinder scheint das eine selbstverständliche Verhaltensweise zu sein, denn schließlich berichten oder hören sie von "ihren" Arbeiten.