Mathematik-Raum

Bis zum Schuljahr 2004/2005 erteilte ich den Mathematikunterricht als Fachlehrer in zwei Parallelklassen. Die Kinder kamen zu dem Unterricht in "mein" Mathematik-Labor, das aus zwei kleinen, miteinander verbundenen Räumen, einer großen Flurfläche (ohne weitere angrenzende Klassen) und einer kleinen Abstellkammer bestand.
Dadurch, dass ich eigenen Räumlichkeiten zur Verfügung hatte, konnte ich das Arbeitsmaterial in beiden Klassen ökonomisch einsetzen und den Raum ohne Einschränkungen nach meiner Arbeitsweise gliedern.
Danach musste der Mathematikraum wieder als Klassenraum genutzt werden.
Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf die Raumgestaltung als Mathematikraum.

Aktiv-entdeckendes und soziales Lernen im Mathematik-Raum

Kinder lernen am effektivsten, wenn man ihnen Gelegenheit gibt, neue Anforderungen von ihrem jeweiligen Wissensstand anzupacken, auch wenn dieser lückenhaft, fehlerbehaftet und unvollkommen ist. Der Lehrer kann es den Kindern grundsätzlich nicht abnehmen, die Instrumente ihres Denkens von ihrem jeweiligen Vorwissen aus selber weiterzuschmieden und weiterzuentwickeln. Bestenfalls kann er Hilfe zur Selbsthilfe leisten. (nach: Lehrerband Zahlenbuch 1, S.6)
Wenn ein solcher Mathematikunterricht als ein konstruktiver, entdeckender Prozess gestaltet werden soll, müssen die Kinder möglichst viele Gelegenheiten zum selbsttätigen Lernen in allen Phasen eines Lernprozesses erhalten.
  • In gemeinsamen Phasen werden die Kinder mit einer neuen Thematik vertraut gemacht. Erste Lösungsideen können ausgetauscht und Absprachen zur Zusammenarbeit können getroffen werden. Der Lehrer kann Hilfen zur Selbsthilfe anbieten.
  • Die Arbeit am Inhalt erfolgt in Gruppen oder in Einzelarbeit. Dabei werden die erzielten Ergebnisse von den Kindern möglichst mit dem bisherigen Wissen auf vielfältige Art in Verbindung gebracht.
  • Die Ergebnisse werden im Klassenverband von den Bearbeitern vorgestellt und die unterschiedlichen Zugangsweisen werden diskutiert.
  • Übungen in Einzel- und Partnerarbeit festigen und vertiefen die gewonnenen Ergebnisse.
Diese Vorgehensweise wird durch einen entsprechend gestalteten Raum positiv unterstützt.
Grundriss 

Der Mathematik-Raum als Ort des gelenkten und freien Arbeitens

Der veränderten Arbeitsweise entsprechend angepasst war der Mathematik-Raum anders als übliche Klassenräume eingerichtet. In ihm sollten die Kinder möglichst viele schulische Inhalte flexibel, differenziert und teilweise auch nach selbstgewählten Schwerpunkten erarbeiten können und es sollten z.B. parallel Einzelarbeit, Partnerarbeit, Gruppenarbeit, Besprechungen und Freiarbeit problemarm möglich sein.
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Vor der festen Wandtafel hielt ich eine große Fläche frei. Hier konnten wir uns zur einleitenden Planung und später wieder zum Vorstellen der erzielten Arbeitsergebnisse treffen. Das war an dieser Stelle immer dann der Fall, wenn die Tafel oder ein Präsentationstisch für frontale Erläuterungen oder Darbietungen benötigt wurden.
(2) Wurde keine frontale Präsentation benötigt, trafen wir uns zu den gemeinsamen Besprechungen am großen, zentralen Tisch, der aus mehreren rollbaren und höhenverstellbaren Tischelementen zusammengesetzt war. Er konnte für spätere Gruppenarbeitsphasen leicht auseinander gerückt werden.
Weitere Gruppentische (6) befanden sich im Nachbarraum und auf dem Flur.
(1) An den Seitenwänden befanden sich Wandpulte als Einzelplatzelemente. Hier und an den großen Tischen (2) konnten die Kinder störungsarm ihre Übungsaufgaben anfertigen. Die höhenverstellbaren Wandpulte - boten den Kindern einen eigenen Privatbereich und motivierten zur Vertiefung. Unter der Tischplatte des Wandpults war Platz für persönliche Utensilien und Lernmittel. Über der Platte war ein Regalboden angebracht.
Die höhenverstellbaren Hocker vor den Wandpulten dienten nicht nur der Sitzgelegenheit, sondern konnten, wenn die Kinder auf dem Boden knieten, auch als Schreibfläche genutzt werden.
(3) Die Arbeitsmaterialien für den Lehrgang und für die Freiarbeit wurden den Kindern auf fahrbaren Gerätewagen bereit gestellt. (z.B. Wendeplättchen, Zwanzigerstreifen, Hundertertafel, Einmaleinstafel ...).
(4) An den 14 Computer-Arbeitsplätzen, sechs davon in BRUNOs eigenem Computerraum, der über den Flur erreichbar war, konnten die Kinder an Apple-Rechnern mit einigen Trainingsprogrammen (z.B. Blitzrechnen aus dem Klett-Verlag) ihre Rechenfertigkeiten verbessern.
(5) Der herzförmige Lehrertisch war ebenfalls durch (feststellbare) Rollen mobil und konnte stufenlos von 72 bis 115 cm in der Höhe verstellt werden.
(6) Auf dem Flur befanden sich zwei weitere Gruppenarbeitstische und zwei Schultaschenschränke.
Möbel 

Möbel

Bei der Planung und Umgestaltung der mir zur Verfügung stehenden Räume zu einem Mathematik-Raum stützte ich mich auf langjährige Erfahrungen, die ich in verschiedenen Schulen sammeln konnte.
Außerdem habe ich mich sehr deutlich von skandinavischen Vorbildern inspirieren lassen. So z.B. von dem dänischen Schulmöbel-Hersteller SIS International mit dem Programm SISabc, mit dessen Möbeln der Raum ausgestattet wurde.
"SISabc ermöglicht all das, was der Lehrer gerne mit den Schülern im Klassenzimmer unternehmen möchte. Hier gibt es die Möglichkeit zur Veränderung und Platz für den Einzelnen. Die vielen Unterrichtsformen erhalten den benötigten Spielraum und können allen Beteiligten die Arbeitsfreude verleihen, die den Schulalltag zum Vergnügen machen.
SISabc bietet die Möglichkeit, zwischen Vertiefung und Gemeinschaft zu wechseln. Die mobilen Möbel können frei umgestellt werden und bilden die Grundlage für die gemeinschaftlichen Aktivitäten. Wenn die Schüler konzentriert arbeiten sollen oder Platz für eine Atempause benötigt wird, dienen die Pulte als Privatzone der Schüler oder zur Stillarbeit.
Mit SISabc ist das dynamische und multifunktionale Klassenzimmer Wirklichkeit geworden."
(Inspirationskatalog 2002/2003 - SIS)
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Der Mathematik-Raum wurde mit 60 cm breiten Wandpulten (Studienzellen) ausgestattet, die entlang der Wand angebracht wurden. Die Schüler konnten stehend oder sitzend arbeiten, hatten eine Privatzone, in der er sich auf seine individuellen Arbeiten konzentrieren konnten. Die Schreibplatten der Wandpulte waren in 10 Stufen in der Höhe verstellbar. Zur optimalen Schreib-Lesesituation konnten sie im Winkel von 7 bis 10° schräg gestellt werden.
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Der Schülerstuhl war ein einfacher Hocker ohne Rückenlehne. Die quadratische und ebene Sitzfläche im Maß von 35 x 35cm konnte auch als Pult genutzt werden, wenn das Kind auf dem Boden saß. mehrere Hocker konnten zu einem niedrigen Gruppenarbeitsplatz zusammen geschoben werden.
Sollte das individuelle Arbeiten für eine kurze frontale Phase unterbrochen werden, musste die Position des Hockers nicht verändert werden - es drehte sich der Schüler zur Tafel und später wieder zu seiner individuellen Arbeit zurück.
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Text, Skizzen und Fotos verändert aus Firmenprospekten SIS International entnommen.
Datenwand 

Datenwand und Mess-Station

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Gleich neben dem Eingang konnten die Kinder wichtige Daten von verschiedenen Informationsquellen ablesen:
Tag, Monat, Jahr, Wochentag und Jahreszeit von einem Kalender.
Stunde, Minute und Sekunde von einer Uhr.
Temperatur von einem Thermometer.
Ihre Körpergröße konnten die Kinder an einer Messlatte und
ihr Gewicht mit Hilfe einer Personenwaage messen und vergleichen.
Anmerkung: Ursprünglich gab es hierzu mehrere Abbildungen. Doch auf denen waren Kinder erkennbar abgebildet. Da ich aber das Einverständnis zum Abbilden nicht mehr vorrätig habe, musste ich wegen der verschärften Datenschutzbestimmungen der DSGVO diese Bilder entfernen.